
Kaum eine Technologie wird derzeit so intensiv diskutiert wie große Sprachmodelle. ChatGPT, Claude, Gemini – die Namen sind in aller Munde. Ein grundlegendes Verständnis der Technologie ist entscheidend, um KI-Projekte realistisch einzuschätzen und die richtigen Fragen zu stellen.
47 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen nutzen bereits generative KI – allerdings meist ohne klare Governance-Strukturen. Diese Lücke zwischen Nutzung und Verständnis lässt sich schließen – mit dem richtigen Grundwissen.
Large Language Models – auch große Sprachmodelle oder kurz LLMs genannt – sind KI-Modelle, die auf riesigen Datensätzen aus Textdaten trainiert wurden, um menschliche Sprache zu verstehen und zu generieren. Sie bilden einen Teilbereich des Natural Language Processing (NLP), also der maschinellen Sprachverarbeitung. Der Begriff „groß" bezieht sich auf die Anzahl der Parameter – mathematische Stellschrauben, die während des Trainings justiert werden. Aktuelle Modelle wie GPT-5 oder Claude verfügen über Hunderte Milliarden solcher Parameter.
Das Grundprinzip ist dabei erstaunlich simpel: Sprachmodelle lernen, das nächste Wort in einem Satz vorherzusagen. Durch das Training auf Webseiten, Artikeln und anderen Inhalten aus dem Internet entwickeln sie ein Verständnis davon, welche Wörter in welchem Kontext mit hoher Wahrscheinlichkeit aufeinanderfolgen. Was dabei entsteht, geht weit über simple Textvorhersage hinaus: Die Modelle können zusammenfassen, übersetzen, analysieren, Fragen beantworten und sogar Code schreiben.
Wichtig für Entscheider:innen ist dabei eine grundlegende Unterscheidung: Sprachmodelle „wissen" nichts im menschlichen Sinne. Was sie liefern, basiert auf Mustern – beeindruckend leistungsfähig, auch wenn eine menschliche Prüfung bei wichtigen Entscheidungen sinnvoll bleibt. Wer das versteht, kann die Technologie gezielter einsetzen.
Die Einsatzmöglichkeiten von Sprachmodellen im Unternehmen sind vielfältig, lassen sich aber grob in drei Kategorien einteilen.
Am weitesten verbreitet ist die Verwendung für wiederkehrende Aufgaben im Bereich Texterstellung: E-Mails formulieren, Protokolle zusammenfassen, Präsentationen strukturieren. Eine Erhebung der Hochschule Karlsruhe zeigt, dass 40 Prozent der befragten Mittelständler:innen KI bereits einsetzen – am häufigsten in Vertrieb und Marketing. Hier liegt der unmittelbare Produktivitätsgewinn und oft auch der Einstieg für strategischere Anwendungen.
Komplexer wird es beim Einsatz für interne Wissenssysteme. Große Sprachmodelle können auf unternehmenseigene Dokumente zugreifen und Fragen dazu beantworten. Statt in Ordnerstrukturen zu suchen, stellen Nutzer:innen einfach eine Frage – und erhalten eine zusammengefasste Antwort mit Quellenverweisen. Für den Mittelstand mit seinen oft gewachsenen Dokumentenlandschaften kann das ein erheblicher Hebel sein. Wie eine durchdachte KI-Strategie dabei hilft, haben wir in einem separaten Artikel beschrieben.
Im Kundenservice ersetzen LLM-basierte Chatbots zunehmend die starren FAQ-Bots der Vergangenheit. Sie verstehen Kontext, können bei Anfragen nachfragen und liefern individuelle Antworten.
Wer LLMs effektiv einsetzen will, sollte ihre Stärken und Eigenheiten kennen. Drei Aspekte sind dabei besonders relevant.
Sprachmodelle können gelegentlich ungenaue Aussagen generieren – ein bekanntes Phänomen, das sich „Halluzination" nennt. Mit einfachen Prüfroutinen lässt sich dem gut begegnen. Für Unternehmen heißt das: Bei wichtigen Entscheidungen lohnt sich ein Faktencheck – wie bei jeder anderen Informationsquelle auch.
Die meisten KI-Sprachmodelle haben einen Wissensstand, der Monate oder Jahre zurückliegt. Aktuelle Entwicklungen, Gesetzesänderungen oder Marktdaten kennen sie nicht, es sei denn, sie sind mit einer Suchfunktion ausgestattet. Für zeitkritische Anwendungen lohnt sich daher ein Modell mit integrierter Suchfunktion oder die Anbindung an aktuelle Datenquellen.
Bei Cloud-basierten Sprachmodellen sollten Unternehmen wissen, welche Daten wo verarbeitet werden, und entsprechend steuern. Die KPMG-Studie zu generativer KI in der deutschen Wirtschaft 2025 zeigt, dass sich KI-Governance zu einem entscheidenden Faktor entwickelt hat. Unternehmen, die hier früh klare Strukturen schaffen, sind im Vorteil.
Der Markt für große Sprachmodelle hat sich in den letzten zwei Jahren rasant entwickelt. Inzwischen unterscheiden sich die führenden Modelle bei den meisten Aufgaben in ihrer Leistungsfähigkeit nur noch um wenige Prozentpunkte. Die Wahl des richtigen Anbieters hängt daher stärker von anderen Faktoren ab.
OpenAI mit ChatGPT dominiert nach wie vor bei der Markenbekanntheit und bietet das umfangreichste Ökosystem für Unternehmen. Google integriert sein Gemini-Modell direkt in die Workspace-Produkte: Wer bereits mit Google Docs und Gmail arbeitet, bekommt KI-Funktionen quasi nebenbei. Anthropic positioniert sich mit Claude als sicherheitsfokussierte Alternative, die besonders bei komplexen Denkaufgaben und im Unternehmenskontext punktet. Daneben gibt es europäische Anbieter wie Aleph Alpha oder das Open-Source-Unternehmen Mistral, die mit DSGVO-Konformität und regionaler Datenhaltung werben.
Für mittelständische Unternehmen ist die Frage selten, welches Modell das beste ist – sondern welches am besten zur eigenen Infrastruktur, den Compliance-Anforderungen und den konkreten Anwendungsfällen passt.
Auf der Mittelstands Stage auf dem data:unplugged Festival 2026 werden genau diese Fragen praxisnah diskutiert: Welche Lösungen sind sicher? Wie sehen erfolgreiche Implementierungen aus? Einen Überblick über alle Speaker:innen findest du hier.
Die Entscheidung für ein Sprachmodell oder eine darauf aufbauende Lösung sollte nicht von technischen Benchmarks getrieben sein. Drei Fragen sind relevanter.
Für einfache Anwendungen genügt der Zugang über eine Weboberfläche. Wer eine Integration von LLMs in bestehende Prozesse plant, braucht eine API-Schnittstelle. Und wer sensible Daten verarbeitet, sollte über eine lokale Installation nachdenken – auch wenn das höhere Kosten und mehr technisches Know-how erfordert.
Bei reinen Textarbeiten ohne vertrauliche Inhalte ist die Cloud-Nutzung meist unproblematisch. Bei personenbezogenen Daten oder Geschäftsgeheimnissen gibt es passende Lösungen – von europäischen Anbietern bis hin zu lokalen Installationen. Eigenentwicklungen auf unternehmensinterner Infrastruktur können Abhängigkeiten reduzieren – ein Ansatz, der auch für größere Mittelständler:innen die Grundlage für mehr Datensouveränität bilden kann.
Die Einführung von Sprachmodellen ist keine reine IT-Aufgabe. 82 Prozent der KMUs sehen noch Entwicklungspotenzial bei den KI-Kompetenzen im Team. Mit begleitenden Schulungen und klaren Nutzungsrichtlinien lässt sich das schnell ändern – und das volle Potenzial heben.
Wer als Entscheider:in KI-Projekte bewertet, braucht keine Programmierkenntnisse. Aber die Fähigkeit, kritische Fragen zu stellen, ist unverzichtbar. Hier einige Beispiele, die helfen, Projekte realistisch einzuschätzen:
Wenn Dienstleister:innen eine LLM-Lösung anbieten: Welches Modell wird verwendet und wo werden die Daten verarbeitet? Gibt es Möglichkeiten, das Modell auf eigene Daten zu trainieren oder zu spezialisieren? Wie wird mit falschen Ausgaben umgegangen – gibt es Mechanismen zur Qualitätskontrolle?
Wenn intern ein KI-Projekt gestartet werden soll: Welches konkrete Problem soll gelöst werden und warum eignet sich ein Sprachmodell dafür besser als bestehende Lösungen? Wie wird der Erfolg gemessen? Welche Datengrundlage existiert bereits und wie gut ist deren Qualität?
Wenn Mitarbeitende eigenständig KI-Tools nutzen: Gibt es Richtlinien, welche Informationen eingegeben werden dürfen? Werden die Ergebnisse kritisch geprüft oder blind übernommen? Existiert ein Governance-Framework?
Diese Fragen sind der erste Schritt zu einem strukturierten KI-Einsatz. Viele Unternehmen bauen gerade ihre Governance-Strukturen auf – ein guter Zeitpunkt, von Anfang an die richtigen Weichen zu stellen.
In den Masterclasses auf dem data:unplugged Festival arbeiten Expert:innen gemeinsam mit Teilnehmenden an konkreten Governance-Strukturen für den KI-Einsatz – praxisnah und auf den Mittelstand zugeschnitten.
Sprachmodelle sind gekommen, um zu bleiben – und entwickeln sich rasant weiter. Sie werden die Art und Weise verändern, wie Menschen in Unternehmen mit Text, Wissen und Kommunikation umgehen. Für Entscheider:innen im Mittelstand bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, ein grundlegendes Verständnis aufzubauen – nicht um selbst zu programmieren, sondern um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Der wichtigste erste Schritt ist dabei nicht die Auswahl eines Tools, sondern die Identifikation konkreter Anwendungsfälle. Wo entstehen in der eigenen Organisation wiederkehrende Textarbeiten? Welche Wissensbestände sind schwer zugänglich? An welchen Stellen würde schnellere Verarbeitung von Informationen echten Mehrwert schaffen?
Große Sprachmodelle bieten erhebliches Potenzial für den Mittelstand – von der Automatisierung wiederkehrender Textarbeiten bis zum intelligenten Wissensmanagement. Der Schlüssel liegt nicht in der Auswahl des „besten" Modells, sondern im Verständnis der Technologie, ihrer Möglichkeiten und ihrer Grenzen.
Wie andere Mittelständler:innen LLMs erfolgreich einsetzen, erfährst du auf dem data:unplugged Festival 2026 am 26. & 27. März in Münster. Auf der Mittelstands Stage teilen Unternehmen ihre Erfahrungen – inklusive der Learnings aus ersten Projekten. In den Masterclasses wird es konkret: Wie setzt man ein erstes LLM-Projekt auf? Welche Erfolgsfaktoren gibt es?
Sprachmodelle betreffen alle Unternehmensbereiche – von der IT über Marketing bis zur Geschäftsführung. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es wichtig, Schlüsselpersonen mitzunehmen und zu qualifizieren. data:unplugged steht für praxisnahe Wissensvermittlung – von der das gesamte Team profitiert. Sichere dir jetzt dein Ticket!