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Bernard Sonnenschein
18.12.2025

Wissensmanagement mit KI: Wie künstliche Intelligenz den Wissenstransfer im Mittelstand sichert

Leuchtendes Schaltkreis-Gehirn über stapelartigen schwarzen Blöcken
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59 % der über 55-Jährigen in Fertigung und Einzelhandel werden in den nächsten fünf Jahren in Rente gehen. Mit ihnen gehen Jahrzehnte an Erfahrung, undokumentierte Prozesse und Wissen verloren. Das Know-how ist häufig in den Köpfen einzelner Personen gespeichert und nicht in Systemen, die dieses Wissen nachhaltig sichern. Ein gezielter Wissenstransfer findet oft nicht statt.

KI-gestütztes Wissensmanagement bietet heute praktikable Lösungen, um Erfahrungswissen systematisch zu erfassen, zugänglich zu machen und langfristig zu bewahren. Die Vorteile reichen von gesteigerter Produktivität bis zur Sicherung kritischer Expertise.

Die Herausforderungen beim Wissenstransfer

Wissensverlust ist ein schleichender Prozess, der sich unter anderem in verlängerten Einarbeitungszeiten, einer erhöhten Fehlerquote und Verzögerungen bei Projekten bemerkbar macht. Viele Mitarbeitende verbringen viel Zeit damit, Kolleg:innen bei Wissenslücken zu unterstützen – weil Know-how nicht dokumentiert ist. Dadurch fehlt wertvolle Arbeitszeit für die eigentliche Arbeit.

Die daraus resultierenden Kosten sind erheblich:

  • Wenn erfahrene Wissensträger:innen das Unternehmen verlassen, dauert es mehrere Monate bis Jahre, bis Nachfolger:innen das gleiche Erfahrungsniveau erreichen.
  • In dieser Zeit entstehen mehr Fehler, Nacharbeiten und Reklamationen.
  • Kundenanfragen werden langsamer bearbeitet.
  • Innovationsprojekte verzögern sich.

Besonders betroffen sind Unternehmen, in denen kritische Expertise bei wenigen Schlüsselpersonen liegt. Im Mittelstand ist das häufig der Fall. So kennt zum Beispiel der Produktionsleiter genau die Maschinen, die bei hoher Luftfeuchtigkeit Probleme verursachen, und weiß, welche Maßnahmen dagegen helfen. Die Vertriebsleiterin verfügt über detailliertes Wissen zu den individuellen Bedürfnissen und Besonderheiten der wichtigsten Kund:innen. Der IT-Administrator versteht als Einziger die komplexen Zusammenhänge des alten Systems und kann dessen Funktionalität sicherstellen.

Warum klassische Methoden des Wissensmanagements an ihre Grenzen stoßen

Viele Unternehmen haben bereits Ansätze für Wissensmanagement: die Dokumentation auf dem Server, Unternehmens-Wikis, Handbücher. Diese Systeme werden jedoch oft nicht gepflegt, sind schwer durchsuchbar und erfassen nur einen Bruchteil des tatsächlichen Wissens. Die Weitergabe von Inhalten erfolgt unsystematisch.

Das wertvollste Wissen ist häufig implizit. Es steckt in Erfahrungen, Einschätzungen und Kontextwissen, das sich schwer in Worte fassen lässt. Dieses Wissen in ein statisches Dokument zu übertragen, ist aufwendig und wird deshalb selten umgesetzt. Ein echter Wissensaustausch zwischen den Generationen bleibt aus.

Selbst wenn Wissen dokumentiert ist, finden es die Kolleg:innen häufig nicht. Sie wissen nicht, in welchem Ordner sie suchen sollen, welche Stichwörter sie eingeben müssen oder ob die Information überhaupt existiert. Die Folge: Sie fragen lieber direkt nach – und der Kreislauf beginnt von neuem.

Wie KI-Tools das Wissensmanagement transformieren

Künstliche Intelligenz kann diese Herausforderungen auf mehreren Ebenen lösen. Der Einsatz moderner KI-Tools entwickelt sich gerade von einem theoretischen Versprechen zu einer praktischen Lösung, die auch für mittelständische Unternehmen zugänglich wird. Diese digitale Transformation des Wissensmanagements umfasst drei Kernaufgaben.

Wissen automatisch erfassen

KI-Systeme können Wissen aus verschiedenen Quellen automatisch zusammenführen: aus E-Mails, Chat-Verläufen, Projektdokumentationen, Support-Tickets, Meeting-Protokollen. Was früher mühsam manuell dokumentiert werden musste, kann heute automatisch erfasst und strukturiert werden. Die Digitalisierung dieser Prozesse spart wertvolle Ressourcen.

Speech-to-Text-Technologien ermöglichen es zum Beispiel, Erklärungen erfahrener Mitarbeitender aufzuzeichnen und in durchsuchbare Texte umzuwandeln. Der Produktionsleiter muss sein Wissen nicht mehr aufschreiben, er kann es einfach erzählen. Das KI-System transkribiert, strukturiert und macht es für andere zugänglich.

Wissen intelligent durchsuchbar machen

Der eigentliche Fortschritt liegt in der Art, wie KI Wissen zugänglich macht. Statt nach exakten Stichwörtern zu suchen, können Mitarbeitende Fragen in natürlicher Sprache stellen: "Welche Einstellungen brauche ich für Produkt X bei hoher Luftfeuchtigkeit?" Das System versteht die Frage, durchsucht alle relevanten Quellen und liefert eine konkrete Antwort, inklusive Verweis auf die Originalquelle. So wird der Wissenstransfer zur alltäglichen Selbstverständlichkeit.

Diese semantische Suche unterscheidet sich grundlegend von klassischen Suchfunktionen. Sie versteht Kontext, erkennt Zusammenhänge und kann auch Informationen finden, die mit anderen Worten beschrieben wurden. Der Wissenstransfer erfolgt damit kontinuierlich und umfassend.

RAG: Die Brücke zwischen KI und Unternehmenswissen

Eine Schlüsseltechnologie für KI-gestütztes Wissensmanagement heißt RAG (Retrieval Augmented Generation). Per Definition verbindet das Konzept die sprachlichen Fähigkeiten von KI-Modellen mit dem spezifischen Wissen eines Unternehmens und ermöglicht so einen kontinuierlichen Wissensfluss.

So funktioniert es in der Praxis: Wenn jemand eine Frage stellt, durchsucht das System zunächst die interne Wissensbasis nach relevanten Informationen. Diese werden dann an ein Sprachmodell übergeben, das eine verständliche Antwort formuliert. Diese basiert auf den echten Unternehmensdaten, nicht auf allgemeinem Internet-Wissen.

Die KI stützt sich auf verifizierte interne Quellen. Gleichzeitig kann sie Zusammenhänge herstellen und Informationen aus verschiedenen Dokumenten kombinieren. Die Daten bleiben dadurch intern und werden nicht an externe KI-Dienste übertragen.

Wie Mittelständler:innen KI-gestützten Wissenstransfer erfolgreich umsetzen, erfährst du aus erster Hand auf der Mittelstands Stage auf dem data:unplugged Festival 2026. Unternehmen teilen dort ihre konkreten Erfahrungen mit RAG-Implementierungen und zeigen, welche Ansätze in der Praxis funktionieren.

Wissenstransfer in der Praxis: Anwendungsfälle im Mittelstand

Die Technologie klingt abstrakt, hat aber sehr konkrete Anwendungen. Hier sind drei Beispiele, die für mittelständische Unternehmen besonders relevant sind:

Den Onboarding-Prozess beschleunigen

Neue Mitarbeitende können dem KI-System Fragen stellen, statt erfahrene Kolleg:innen zu unterbrechen: 

  • Wie läuft der Prozess für Kund:innen-Reklamationen? 
  • Wo finde ich die Vorlage für Angebote?
  • Was muss ich bei der Qualitätsprüfung beachten? 

Das System liefert sofort Antworten aus der dokumentierten Wissensbasis. Das beschleunigt nicht nur die Einarbeitung und den Transfer von Wissen. Es entlastet auch die erfahrenen Mitarbeitenden, die bisher als Ansprechperson fungiert haben. Der Onboarding-Prozess wird so zu einer effizienten Phase des Lernens.

Wissenstransfer vor dem Ausscheiden sichern

Vor dem Ausscheiden erfahrener Personen können strukturierte Wissenstransfer-Sessions durchgeführt werden. KI-gestützte Systeme helfen dabei, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten zu dokumentieren: Welche Situationen sind kritisch? Welche Lösungen haben funktioniert? Welche Fehler sollten vermieden werden?

Dieses Wissen wird so aufbereitet, dass es für andere nutzbar wird. Nicht als trockenes Handbuch, sondern als durchsuchbare, kontextbezogene Wissensbasis. Der Wissenstransfer gelingt so auch über Generationen hinweg.

Support und Kommunikation verbessern

Im technischen Support oder Kundenservice müssen Mitarbeitende oft auf Wissen aus verschiedenen Quellen zugreifen: Produktdokumentation, frühere Supportfälle, technische Spezifikationen. Ein KI-gestütztes System kann diese Informationen zusammenführen und passende Lösungsvorschläge liefern. Der Austausch von Wissen erfolgt so in Echtzeit.

Das verkürzt Bearbeitungszeiten und verbessert die Qualität der Antworten. Das ist besonders wichtig, wenn erfahrene Kolleg:innen nicht mehr greifbar sind.

Welche KI Tools gibt es für Wissensmanagement?

Der Markt für Instrumente des KI-gestützten Wissensmanagements wächst schnell. Die Lösungen lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

Integrierte Plattformen wie Microsoft Copilot oder Notion AI erweitern bestehende Arbeitsumgebungen um KI-Funktionen. Vorteil: Die Integration in vorhandene Tools ist einfach. Nachteil: Die KI-Funktionen sind oft generisch und nicht auf spezifische Anforderungen des Wissensmanagements optimiert.

Spezialisierte Wissensmanagement-Tools wie Guru, Confluence mit KI-Erweiterungen oder dedizierte RAG-Lösungen fokussieren sich auf die Erfassung und Bereitstellung von Unternehmenswissen. Sie bieten meist bessere Funktionen für strukturierte Wissensdatenbanken, erfordern aber eine eigenständige Einführung.

Individuelle RAG-Implementierungen ermöglichen maximale Kontrolle und Anpassung. Unternehmen können eigene Systeme aufbauen, die exakt auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind, inklusive der Möglichkeit, sensible Daten komplett on-premises zu halten. Der Aufwand für Einrichtung und Wartung ist allerdings höher.

Für den Mittelstand empfiehlt sich oft ein pragmatischer Ansatz: Mit einer einfachen Lösung starten, Erfahrungen sammeln und bei Bedarf auf spezialisierte KI-Tools wechseln. Der wichtigste Faktor ist nicht die Technologie, sondern die konsequente Anwendung.

Voraussetzungen für erfolgreichen Wissenstransfer

KI-gestützter Wissenstransfer funktioniert nicht ohne Grundlagen. Bevor du in Tools investierst, solltest du drei Fragen klären:

  • Wie steht es um deine Datenqualität? KI-Systeme sind nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeiten. Wenn deine Dokumentationen veraltet, widersprüchlich oder unvollständig sind, wird auch das KI-System keine guten Antworten liefern. Eine Bestandsaufnahme und gegebenenfalls Bereinigung der vorhandenen Wissensquellen ist der erste Schritt.
  • Wo liegt dein kritisches Wissen? Nicht jedes Wissen ist gleich wichtig. Identifiziere die Bereiche, in denen Wissensverlust die größten Auswirkungen hätte. Wer sind die Schlüsselpersonen, die in den nächsten Jahren ausscheiden? Welche Prozesse hängen von ihrem Wissen ab? Dort solltest du anfangen.
  • Wie ist die Akzeptanz im Team? Die beste Technologie bringt nichts, wenn sie nicht genutzt wird. Menschen müssen verstehen, warum Wissensmanagement wichtig ist und wie es ihnen konkret hilft. Ein System, das zusätzliche Arbeit macht, ohne erkennbaren Nutzen zu bringen, scheitert oft.

In den Masterclasses auf dem data:unplugged Festival erfährst du von Expert:innen, wie der Einstieg in KI-gestütztes Wissensmanagement gelingt – von der Datenaufbereitung bis zur Tool-Auswahl. Auch der Austausch mit anderen mittelständischen Unternehmen auf Arbeitsebene ist uns besonders wichtig, um von den Erfahrungen zu profitieren.

Den Einstieg in den KI-gestützten Wissenstransfer finden

Der Einstieg in den KI-gestützten Wissenstransfer muss nicht mit einem Großprojekt beginnen. Sinnvoller ist ein fokussierter Pilotbereich:

  1. Einen konkreten Use Case wählen. Nicht das gesamte Unternehmenswissen auf einmal digitalisieren, sondern mit einem klar abgegrenzten Bereich starten. Das kann die Wissensbasis für den Kundensupport sein, die Dokumentation eines bestimmten Produkts oder das Prozesswissen einer Abteilung.
  2. Klein anfangen, schnell lernen. Ein Pilotprojekt mit überschaubarem Umfang zeigt schnell, was funktioniert und was nicht. Die Ergebnisse helfen, das System zu verbessern und weitere Bereiche anzugehen.
  3. Die richtigen Leute einbinden. Wissensmanagement ist kein reines IT-Thema. Es braucht Menschen, die das Wissen haben, Menschen, die es nutzen werden, und jemanden, der das Projekt vorantreibt. Ohne diese Kombination bleibt jedes Tool ein leeres Versprechen.

Fazit: Wissenstransfer jetzt sichern

Der Generationenwechsel im deutschen Mittelstand ist ein stetiger Prozess. Jeden Monat gehen erfahrene Mitarbeitende in Rente und nehmen jahrzehntelang aufgebautes Wissen mit. Die Herausforderungen des demografischen Wandels erfordern neue Methoden. KI-gestütztes Wissensmanagement bietet die Chance, diesen Verlust zu begrenzen. Erfahrungswissen systematisch zu sichern kann einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffen. Der erste Schritt muss nicht groß sein. Ein Pilotprojekt in einem klar definierten Bereich mit einem engagierten Team ist ausreichend. Entscheidend ist, die ersten Prozesse zu implementieren.

Wie andere Mittelständler:innen den Weg zum KI-gestützten Wissenstransfer erfolgreich gehen, erfährst du auf dem data:unplugged Festival 2026 am 26. & 27. März in Münster. Unternehmen aus verschiedenen Branchen teilen dort ihre Praxisbeispiele zu Wissensmanagement, RAG-Systemen und KI-gestützter Dokumentation – von der ersten Implementierung bis zur Skalierung. Auf der Mittelstands Stage und vier weiteren Bühnen gibt es Raum für Austausch zu Daten und KI.

Wissensmanagement betrifft alle Unternehmensbereiche. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es wichtig, Schlüsselpersonen mitzunehmen und zu schulen. data:unplugged bietet praxisnahes Wissen für dein gesamtes Team. Sichere dir jetzt dein Ticket!

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